Gesunder Lifestyle vs. Stress und Medikamente

Die präventivmedizinische Bedeutung körperlicher Aktivität

Eine körperlich aktive Lebensweise vermag nicht nur unser Leben zu bereichern, sondern hat neben diesem philosophischen Aspekt eine noch größere präventivmedizinische Bedeutung, als sogar den meisten Medizinern bewusst ist. Jeder von Euch kennt den Satz „Es kommt nicht darauf an, wie alt man wird, sondern wie man alt wird“, und da werdet Ihr mir bestimmt zustimmen.


Als „homo industrialis“ bewegen wir uns immer weniger, obwohl wir genetisch noch auf regelmäßige körperliche Aktivität programmiert sind, da unsere biologische Evolution nicht mit der gesellschaftlichen und technologischen Entwicklung Schritt gehalten hat. Dieser Umstand erklärt viele der heutigen Wohlstandsleiden. Die klassischen Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen sind bekannt. Interessanterweise wird aber noch immer der sogenannte „Stress“ dazu gezählt, obwohl wir das, was wir als „Stress“ verstehen, nicht als eigenständigen Risikofaktor betrachten sollten. Vielmehr sind psychosozialer Stress, psychosoziale Vereinsamung bis hin zur Depression mit einem höheren Herzinfarktrisiko vergesellschaftet, wohingegen der sogenannte „Stress“ erst durch die damit verbundenen Risikofaktoren (Rauchen, Bewegungsmangel, Fehlernährung) ungesund wird.

Von einer optimalen Pharmakotherapie abgesehen, wird aber auch allzu oft auf die entsprechende „Basistherapie“ vergessen. Damit meine ich eine Änderung des Lebensstils mit Ernährungsumstellung und regelmäßiger körperlicher Aktivität. Gerade beim (poly) metabolischen Syndrom ist dieser Therapieansatz kausal und prognostisch entscheidend.

Es ist also offensichtlich, dass körperliche Aktivität für unseren Gesundheitszustand etwas sehr positives bewirkt. Die bewiesene Lebensverlängerung bedeutet aber auch – und das sollte für alle Ärzte noch mehr Bedeutung haben -, dass diese mit einer besseren Lebensqualität verbunden ist („add life to years“) im Sinne einer geringeren Morbidität.


Da die „evidence based medicine“ meiner Meinung nach die Grundlage allen ärztlichen Handelns sein sollte, wird es immer wichtiger, „Sport“ bzw. „körperliche Aktivität“ als präventivmedizinisch herausragendes „Medikament“ zu empfehlen und auch zu „verordnen„.
Dabei setze ich voraus, das diese Verordnungen den pharmakokinetischen und pharmakodynamischen Richtlinien einer medikamentösen Therapie entsprechen. Das setzt natürlich Kenntnisse der medizinischen Trainingslehre voraus und bedeutet eine exakte Vorschreibung der Intensität und Zeitdauer der körperlichen Aktivität bzw. Trainingseinheit, Festlegung der Trainingsherzfrequenzen, des Dosisintervalls (Häufigkeit der Trainingseinheiten) sowie der Gesamtdosis (Umfang der körperlichen Belastung, Festlegung der WGTZ = wöchentliche Gesamttrainingszeit bzw. WNTZ = wöchentliche Nettotrainingszeit). Der von mir empfohlenen wöchentliche Trainingsumfang sollte zumindest drei bis vier Stunden betragen, aufgeteilt auf zwei, noch besser drei bis vier Trainingseinheiten.

Ich arbeite seit Jahrzehnten daran das Aktivitätsbewusstsein der Bevölkerung anzuregen

Hier würde ich mir den Einsatz der Massenmedien zur Information und Stimulation wünschen. Außerdem müssen wir an unseren Schulen dem Sportunterricht und einem gesunden aktiven Lifestyle viel mehr Gewichtung beimessen. Eine Sportstunde sollte täglich auf dem Stundenplan stehen und mit Lehrstoff zur gesunden Ernährung, Anatomie und Bewegungslehre ergänzt werden. Ein inaktiver ungesunder Lifestyle als Wegbereiter für unsere Zivilisationskrankheiten beginnt meist schon in jungen Jahren, wie die in erschreckender Weise zunehmende Zahl adipöser Kinder zeigt.

Als Privat Trainer arbeite ich seit langer Zeit mit Kindern und bin immer wieder überrascht wie kreativ und wissbegierig Kinder sind, wenn wir ihnen nur genug Aufmerksamkeit und vor allem Zeit schenken. Hier können wir ein starkes Fundament für ein aktives und gesundes sowie ein erfolgreiches und langes Leben unserer Kinder konstruieren.

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